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Handreichung
für die Gestaltung kirchlicher Paramente

Vom 6. Mai 1965

(KABl. S. 78)
geändert durch die Bekanntmachung vom 31. Juli 1987 (KABl. S. 192)

Auf Anregung des Kunstdienstes der Evangelischen Kirche der Union in Berlin-Charlottenburg haben das Amt für Gottesdienstordnung und Kirchenmusik und der Bauausschuss der Evangelischen Kirche im Rheinland eine Handreichung für die Gestaltung der kirchlichen Paramente in evangelischen Kirchen erarbeitet, die wir im Folgenden den Gemeinden bekanntgeben. Diese Handreichung ist für diejenigen Gemeinden gedacht, welche vor der Aufgabe der Innenausgestaltung einer neuen Kirche stehen oder die Ausstattung ihrer vorhandenen Kirche erneuern bzw. vervollständigen wollen und sich dabei der kirchlichen Paramente zu bedienen wünschen. Sie will diesen Gemeinden Fingerzeige für eine sinnvolle Einordnung in das Kirchenjahr wie für eine geschmackvolle und würdige Gestaltung der Paramente geben. So will die Empfehlung dieser Handreichung verstanden sein. Eine Anregung zur Einführung kirchlicher Paramente in denjenigen evangelischen Gemeinden, die herkömmlicherweise keine Paramente gebrauchen, ist damit nicht gemeint.
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A.
Die liturgischen Farben und das Kirchenjahr

Gemäß ihrer abendländischen Überlieferung kennt und verwendet die evangelische Kirche folgende liturgischen Farben:
1. Weiß
für alle Christusfeste,
2. Rot
(leuchtendes Krapprot) für Pfingsten, kirchliche Gedenktage, Tage der Kirche (Mission, Ökumene, Synoden),
3. Grün
(helles Saftgrün) für die ungeprägten Zeiten (Sonntage nach Epiphanias und nach Trinitatis),
4. Violett
(also rotblau) für die Rüstzeiten Advent, Passionszeit, Bitt- und Bußtage.
Für Trauergottesdienste, allenfalls auch für Karfreitag und Karsamstag können schwarze Paramente verwendet werden.
Müssen die farbigen Paramente nacheinander angeschafft werden, so beginnt man mit Grün, dann folgt Weiß, dann Violett, dann Rot.
Die liturgischen Farben wechseln im Ablauf des Kirchenjahres nach der in der Anlage zu dieser Handreichung angegebenen Weise.
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B.
Die weißen Paramente

  1. Die Altardecke
    Zur Ausstattung des Altars gehört als wichtigstes Stück die Altardecke. Sie erinnert ständig an seine Funktion als Tisch zur Feier des heiligen Abendmahls. Die Altardecke wird am besten aus handgesponnenem und handgewebtem Leinen hergestellt. Ist der Altar wie in mittelalterlichen Kirchen auf gewachsenem Untergrund in Stein gemauert, so wird die Altarplatte (= mensa) gegen aufsteigende Feuchtigkeit durch eine gewachste Decke isoliert, damit die darüber gebreitete Leinendecke nicht stockfleckig wird. Die Leinen-Tischdecke ist schlicht, weder gemustert noch bestickt, und ringsum gesäumt (auch Hohlsaum ist möglich). Mit Rücksicht auf die farbigen Antependien schließt sie mit der Vorderkante der mensa ab oder hängt eine Handbreit über; an den Schmalseiten der Platte hängt sie bis zu zwei Dritteln der Tischhöhe herab. Man achte auf die ständige Sauberkeit der Altardecke und schütze sie vor Kerzen- oder Blumenflecken durch einfache Untersätze.
  2. Das Corporale
    Die Abendmahlsgeräte, insbesondere die Patene und der Kelch, werden nicht unmittelbar auf die Altardecke gestellt, zumal wenn über die Altarmitte ein Antependium gebreitet ist, sondern an die Mitte der Vorderkante der mensa wird ein schmales rechteckiges Tuch aus feinem weißen Leinen, das sogenannte Corporale, gelegt und darauf nach links (Evangelienseite) die Patene, nach rechts (Epistelseite) der Kelch aufgestellt. Wie die Altardecke, so verzichtet auch das Corporale auf schmückende Stickerei oder Spitzensäume.
  3. Das Velum
    Stehen die Abendmahlsgeräte bereits zu Beginn des Gottesdienstes auf dem Altar, so werden sie durch das Velum verhüllt. Es wird aus weißem Batist oder Seide quadratisch gearbeitet und verträgt in der Mitte oder am Rande zurückhaltende Weißstickerei (Flachstich oder Ajourtechnik). Dafür ist das Monogramm Christi (Chi-Rho) oder Ähren und Weinranken geeignet, nicht aber Schrift.
  4. Die Palla
    Vor und nach der Spendung des Kelches kann dieser mit der Palla bedeckt werden. Die Palla besteht aus einem quadratischen Stück steifen Materials und ist ringsum mit weißer Seide bezogen. Auf der Oberseite trägt sie ein weiß gesticktes Kreuz oder Chi-Rho.
  5. Die Taufdecke
    Ist der Taufstein bzw. die Taufschale nicht im Gebrauch, so kann dieser (diese) mit der Taufdecke verhüllt werden. Analog der Altardecke wird auch die Taufdecke aus weißem Leinen in quadratischem Grundriss gefertigt und kann durch Weißstickerei geschmückt werden. Dazu eignen sich besondere Symbole: die Taube, die vier Paradiesesströme. Umrandungen sind möglich in geometrisch periodischen Mustern (Ajourtechnik).
Nach Beendigung der Austeilung wird der Kelch mit einem einfachen weißen Leinentuch getrocknet. Auch bei der Taufe ist ein Leinentuch zum Trocknen der Hände bereitzuhalten.
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C.
Die farbigen Paramente (Antependien)

Die Antependien entsprechen in ihrer Grundfarbe den vier liturgischen Farben: Weiß, Rot, Grün und Violett. Diese Farben machen den Wechsel der geprägten und ungeprägten Zeiten des Kirchenjahres sichtbar.
Als Werkstoff kommen außer Leinen und Seide alle lichtechten und mottensicheren Textilien in Betracht, und zwar einfarbig wie auch gemustert, sofern die Grundfarbe eindeutig vorherrscht. Der handwerklichen Herstellung der Stücke dienen verschiedene Techniken:
  1. das Weben, am besten in Schafwolle mit Leinen oder Köperbindung,
  2. die Applikation durch Aufnähen ausgeschnittener Stoffteile,
  3. das Gobelinsticken stilisierter Bildvorlagen und Buchstaben.
Zu vermeiden ist das billige Einfassen farbigen Tuches mit Gold- oder Silberborten.
Entwurf und Ausführung müssen besondere künstlerische Qualität haben. Nicht die Selbstanfertigung, wohl aber die Stiftung und Pflege (Reinigung und sachgemäße Aufbewahrung) der Paramente ist eine geeignete Aufgabe für interessierte Gemeindekreise.
  1. Das Altarantependium
    Für die Gestaltung dieses Hauptstückes der Paramentik empfehlen sich folgende Möglichkeiten:
    1. Es verläuft als ein breiter Streifen von etwa einem Drittel der mensa-Breite, in der Mitte der hinteren Kante der mensa beginnend, über die weiße Altardecke hinweg und hängt an der Vorderkante bis eine Handbreit über den Boden herab. Bei freistehender mensa kann der Streifen vorn und hinten gleichmäßig herabhängen. Verziert wird aber nur der vorn überhängende Abschnitt.
    2. Es wird an der Vorderkante der mensa befestigt und bedeckt die ganze Stirnseite des Altars als ein sogenanntes Frontale.
      Am häufigsten ist die Anbringung des rechteckigen Antependiums (= Vorhang) in der Mitte der Vorderkante der mensa. Dabei ist auf gute Befestigung durch Haken und Ringe oder durch eine Durchziehstange zu achten. Dem Schmuck des Antependiums, d. h. seiner Schauseite, gilt sorgfältige Überlegung; also keine gedankenlose schablonenhafte Reihung von Symbolen! Ist das Kreuz auf, über oder hinter dem Altar bereits vorhanden, so ist es auf dem Antependium nicht zu wiederholen! Ornamentaler Schmuck oder stilisierende Zeichnung, aber ohne plakathafte Wirkung, ist angemessen, aber nicht unbedingt erforderlich. Schrift sollte vermieden werden.
  2. Das Kanzelantependium
    Wenn die Kanzel mit einem Antependium versehen ist, entspricht dieses in der Grundfarbe dem Altarantependium. Hier sind Symbole und ornamentale Schrift möglich.
  3. Das Lesepultantependium
    Das Lesepult kann ein nach vorn überhängendes Antependium erhalten, und zwar in gleicher Grundfarbe wie jeweils die anderen Altarantependien. Als Schmuck sind hier kurze Schriftworte möglich, die auch auf Entfernung hin lesbar sind.
Die liturgischen Farben sind neben den Antependien lediglich den Stolen vorbehalten, falls das Leitungsorgan die Einführung der neuen Amtstracht (Mantelalbe und Stola) beschlossen hat.
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Anlage 11#

Zuordnung der liturgischen Farben

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I. Die Sonn- und Festtage des Kirchenjahres

Im Advent
1. Sonntag im Advent
violett
2. Sonntag im Advent
violett
3. Sonntag im Advent
violett
4. Sonntag im Advent
violett
Das heilige Christfest, Jahreswende und Epiphaniasfest
Fest der Geburt des Herrn
Christvesper
weiß
Christnacht
weiß
Christfest I
weiß
Christfest II
weiß
1. Sonntag nach dem Christfest
weiß
Altjahrsabend
weiß
Neujahrstag
weiß
2. Sonntag nach dem Christfest
weiß
Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias)
weiß
Nach Epiphanias
1. Sonntag nach Epiphanias
grün
2. Sonntag nach Epiphanias
grün
3. Sonntag nach Epiphanias
grün
4. Sonntag nach Epiphanias
grün
5. Sonntag nach Epiphanias
grün
Letzter Sonntag nach Epiphanias (Fest der Verklärung Christi)
weiß
Vor der Passionszeit
3. Sonntag vor der Passionszeit (Septuagesimae)
grün
2. Sonntag vor der Passionszeit (Sexagesimae)
grün
Sonntag vor der Passionszeit (Estomihi)
grün
Passionszeit
Aschermittwoch
violett
1. Sonntag der Passionszeit (Invokavit)
violett
2. Sonntag der Passionszeit (Reminiszere)
violett
3. Sonntag der Passionszeit (Okuli)
violett
4. Sonntag der Passionszeit (Lätare)
violett
5. Sonntag der Passionszeit (Judika)
violett
6. Sonntag der Passionszeit (Palmsonntag)
violett
Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahles (Gründonnerstag)
weiß
Tag der Kreuzigung des Herrn (Karfreitag)
violett oder schwarz
Karsamstag / Karsonnabend
violett oder schwarz
Das heilige Osterfest und die österliche Freudenzeit
Fest der Auferstehung des Herrn
Osternacht
weiß
Ostersonntag
weiß
Ostermontag
weiß
1. Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti)
weiß
2. Sonntag nach Ostern (Miserikordias Domini)
weiß
3. Sonntag nach Ostern (Jubilate)
weiß
4. Sonntag nach Ostern (Kantate)
weiß
5. Sonntag nach Ostern (Rogate)
weiß
Christi Himmelfahrt
weiß
6. Sonntag nach Ostern (Exaudi)
weiß
Das heilige Pfingstfest
Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes
Pfingstsonntag
rot
Pfingstmontag
rot
Fest der Heiligen Dreifaltigkeit (Trinitatis)
weiß
Nach Trinitatis
 1. Sonntag nach Trinitatis
grün
 2. Sonntag nach Trinitatis
grün
 3. Sonntag nach Trinitatis
grün
 4. Sonntag nach Trinitatis
grün
 5. Sonntag nach Trinitatis
grün
 6. Sonntag nach Trinitatis (Taufgedächtnis)
grün
 7. Sonntag nach Trinitatis
grün
 8. Sonntag nach Trinitatis
grün
 9. Sonntag nach Trinitatis
grün
10. Sonntag nach Trinitatis
   (Gedächtnis der Zerstörung Jerusalems)
violett oder grün
11. Sonntag nach Trinitatis
grün
12. Sonntag nach Trinitatis
grün
13. Sonntag nach Trinitatis
grün
14. Sonntag nach Trinitatis
grün
15. Sonntag nach Trinitatis
grün
16. Sonntag nach Trinitatis
grün
17. Sonntag nach Trinitatis
grün
18. Sonntag nach Trinitatis
grün
19. Sonntag nach Trinitatis
grün
20. Sonntag nach Trinitatis
grün
21. Sonntag nach Trinitatis
grün
22. Sonntag nach Trinitatis
grün
23. Sonntag nach Trinitatis
grün
24. Sonntag nach Trinitatis
grün
Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres
grün
Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres
grün
Buß- und Bettag
violett
Letzter Sonntag des Kirchenjahres (Ewigkeitssonntag)2#
grün
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II. Die unbeweglichen Feste und Gedenktage der Kirche

30. November: Tag des Apostels Andreas
rot
21. Dezember: Tag des Apostels Thomas
rot
26. Dezember: Tag des Erzmärtyrers Stephanus
rot
27. Dezember: Tag des Apostels und Evangelisten Johannes
weiß
28. Dezember: Tag der unschuldigen Kinder
weiß
  1. Januar: Tag der Beschneidung und Namengebung Jesu
weiß
25. Januar: Tag der Bekehrung des Apostels Paulus
rot
  2. Februar: Tag der Darstellung des Herrn (Lichtmess)
weiß
24. (25.) Februar: Tag des Apostels Matthias
rot
25. März: Tag der Ankündigung der Geburt des Herrn
weiß
25. April: Tag des Evangelisten Markus
rot
  3. Mai: Tag der Apostel Philippus und Jakobus des Jüngeren
rot
24. Juni: Tag der Geburt Johannes des Täufers
weiß
25. Juni: Gedenktag der Augsburgischen Konfession
rot
29. Juni: Tag der Apostel Petrus und Paulus
rot
  2. Juli: Tag der Heimsuchung Mariae
weiß
25. Juli: Tag des Apostels Jakobus des Älteren
rot
24. August: Tag des Apostels Bartholomäus
rot
21. September: Tag des Apostels und Evangelisten Matthäus
rot
29. September: Tag des Erzengels Michael und aller Engel
weiß
18. Oktober: Tag des Evangelisten Lukas
rot
28. Oktober: Tag der Apostel Simon und Judas
rot
31. Oktober: Gedenktag der Reformation
rot
  1. November: Gedenktag der Heiligen
rot
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III. Besondere Tage und Anlässe

Bei einem Taufgottesdienst
Farbe des Sonn- oder Feiertages
Bei der Konfirmation
rot
Bei einer Eheschließung
Farbe des Sonn- oder Feiertages
Bei der Ordination oder der Einführung eines Pfarrers
rot
Vor der Wahl kirchlicher Amtsträger
rot
Bei einer Kirchenversammlung
rot
Bitttage (allgemein)
violett
Bittgottesdienst um den Heiligen Geist und die Erneuerung der Kirche
rot
Bittgottesdienst für die Einheit der Kirche
rot
Bittgottesdienst für die Ausbreitung des Evangeliums (Mission, Diakonie, Diaspora)
rot
Bittgottesdienst für gesegnete Arbeit (Erntebitttag, Hagelfeiertag, Tag der Arbeit)
violett
Bittgottesdienst um das tägliche Brot (Arbeitslosigkeit, Missernte, Hungersnot)
violett
Bittgottesdienst für verantwortlichen Umgang mit Natur und Technik
violett
Bittgottesdienst bei Katastrophen und Epidemien
violett
Bittgottesdienst für die Erhaltung von staatlicher Ordnung und Gerechtigkeit
violett
Bittgottesdienst um Überwindung sozialer Spannungen
violett
Bittgottesdienst für Verfolgte, Gefangene und Misshandelte
violett
Bittgottesdienst um Frieden und Schutz für das Leben
violett
In Urlaub und Freizeit
grün
Danktage (allgemein)
grün
Erntedanktag
grün
Gedenktag eines Märtyrers der Kirche
rot
Gedenktag eines Lehrers der Kirche
rot
Gedenktag der Entschlafenen
weiß
Gedenktag der Kirchweihe
rot

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1 ↑
Anlage angefügt durch Bekanntmachung vom 31. Juli 1987 (KABl. S. 192).
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2 ↑
Amtliche Anmerkung: Siehe auch Gedenktag der Entschlafenen, der mit der liturgischen Farbe weiß begangen wird.